LiBeraturpreis

Die nominierten Autorinnen 2017 und ihre Werke


Zeina Abirached [Libanon]: »Piano Oriental«

Graphic Novel. Aus dem Französischen von Annika Wisniewski (Avant).
Weltempfänger Nr. 33/Winter 2016

Die Jury: Eine Graphic Novel aus dem alten Beirut, westliches Klavierspiel trifft auf die Viertelton-Tradition orientalischer Musik. Toll gezeichnet und vor dem Hintergrund der eigenen Biografie und Familiengeschichte spannend erzählt. Mittendrin in den heutigen Identitätsdiskursen – ohne selber dabei identitär zu wirken. (Andreas Fanizadeh)

Informationen zum Buch und zur Autorin auf den Seiten des Verlags und ihrer eigenen Website (fr).


Meena Kandasamy [Indien]: »Reis & Asche«

Roman. Aus dem Englischen von Claudia Wenner (Das Wunderhorn). Weltempfänger Nr. 31/Sommer 2016

Die Jury: Furios und fulminant – sprachlich wie formal – tastet sich Meena Kandasamy an ein historisches Massaker heran, verübt an 44 Dalits, die 1968 – dem Jahr der Unruhen auch in Indien – gewagt hatten, zu protestieren: gegen ihre Ausbeutung, ihre Unterdrückung, ihren Hungerlohn. Zugleich denkt sie über die Frage nach: wie als Nachgeborene davon erzählen? Ein engagierter und rebellischer Roman. (Claudia Kramatschek)

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde von Litprom e.V. mit Mitteln des Auswärtigen Amts unterstützt.

Informationen zum Buch und zur Autorin sowie Pressestimmen auf den Seiten des Verlags.


Han Kang [Südkorea]: »Die Vegetarierin«

Roman. Aus dem Koreanischen von Ki-Hyang Lee (Aufbau). Weltempfänger Nr. 32/Herbst 2016

Die Jury: Für ihren Ehemann ist Yeong-Hye langweiliger Durchschnitt, genau das findet er gut an ihr. Bis sie beschließt, Vegetarierin zu werden. Ein unerhörter Akt der Rebellion, für den sie nur Unverständnis erntet. Ihre Antwort ist eine rauschhafte Flucht in den Wahn, sie mutiert in ihrer Vorstellung zum Baum. Der Zerfall einer Frau, erzählt aus dreifacher Außenperspektive, nachhaltig verstörend, ungeheuer beeindruckend. (Anita Djafari)

“Die Vegetarierin” wurde mit dem Man Booker International Prize 2016 augezeichnet.

Informationen zum Buch und zur Autorin sowie Pressestimmen auf den Seiten des Verlags.


Amanda Lee Koe [Singapur]: »Ministerium für öffentliche Erregung«

Erzählungen. Aus dem Englischen von Zoë Beck (CulturBooks). Weltempfänger Nr. 33/Winter 2016

Die Jury: Vierzehn Erzählungen, die es in sich haben: In ihnen erzählt die erst 29-jährige Autorin Amanda Lee Koe von verpasstem Leben und nicht gelebter Liebe, aber auch vom kolonialen Erbe im Vielvölkerstaat Singapur. Melancholische Geschichten, die an die Schmerzgrenze gehen und die trotzdem cool klingen. (Katharina Borchardt)

“Ministerium für öffentliche Erregung” erhielt 2014 den Singapore Literature Prize for English Fiction und 2016 den Singapore Book Award for Best Fiction.

Informationen zum Buch und zur Autorin sowie Pressestimmen auf den Seiten des Verlags.


Kettly Mars [Haiti]: »Ich bin am Leben«

Roman. Aus dem Französischen von Ingeborg Schmutte (Litradukt). Weltempfänger Nr. 30/Frühjahr 2016

Die Jury: Das Erdbeben, das Haiti 2010 heimsuchte, hat auch die Nervenklinik schwer beschädigt, wo der schizophrene Alexandre lange untergebracht war. Er kehrt zurück zu seiner Familie und löst bei Mutter, Geschwistern und Hausangestellten ein intensives Überdenken des eingespielten Zusammenlebens aus. Ein Roman eindringlicher innerer Monologe – ein spannungsvolles haitianisches Familientableau. (Katharina Borchardt)

Informationen zum Buch und zur Autorin sowie Pressestimmen auf den Seiten des Verlags.

Besprechung des Romans in den LiteraturNachrichten Nr.124 (Frühjahr 2016)


Granaz Moussavi [Iran]: »Gesänge einer verbotenen Frau«

Gedichte, zweisprachig. Aus dem Farsi von Isabel Stümpel (Leipziger Literaturverlag). Weltempfänger Nr. 31/Sommer 2016

Die Jury: „Spätnachmittag, ich komme vom Kitten der Tage nach Haus“ – so klingen die Gedichte von Granaz Moussavi. In ihnen verwebt sie Politisches und Privates, Körper und Geist, Drinnen und Draußen, Tag und Nacht. Es sind Gedichte, die am Faktischen rütteln. Fordernd-fühlende Texte voll präziser Sensibilität. Zweisprachig ediert. Kraftvoll und elektrisierend. (Katharina Borchardt)

Die Übersetzung aus dem Farsi wurde von Litprom e.V. mit Mitteln des Auswärtigen Amts unterstützt.

Informationen zum Buch und zur Autorin auf den Seiten des Verlags.


Malla Nunn [Swasiland/Australien]: »Tal des Schweigens«

Kriminalroman. Aus dem Englischen von Laudan & Szelinski (Ariadne). Weltempfänger Nr. 30/Frühjahr 2016

Die Jury: Südafrika, 1953. Ein Zulu-Mädchen ist ermordet worden. Nicht der Rede wert für die weiße Polizei, wenn nicht Detective Sergeant Emmanuel Cooper und Sergeant Shabalala sich des Falles annehmen würden und dabei die starre rassistische Ordnung in Drakensberge verstörten. Ein klassischer Kriminalroman mit viel Substanz, vielen Dimensionen und utopischer Poesie. (Thomas Wörtche)

Informationen zum Buch und zur Autorin auf den Seiten des Verlags.

Besprechung des Romans in den LiteraturNachrichten Nr.124 (Frühjahr 2016).


Yvonne Adhiambo Owuor [Kenia]: »Der Ort, an dem die Reise endet«

Roman. Aus dem Englischen von Simone Jakob (Dumont). Weltempfänger Nr. 32/Herbst 2016

Die Jury: Kenia wurde von Ngũgĩ wa Thiong’o auf die literarische Weltkarte gesetzt, Yvonne Adhiambo Owuor schraffiert nun diese Karte neu, mit viel Mut zu prägnanten Sätzen, aufgeladenen Metaphern und einer schillernden Geheimnishaftigkeit, die ohne platte Erklärungen in ostafrikanische Geisteswelten hineinführt; ein zeitgeschichtliches Panorama (das bis zu dem Massenmord der britischen Kolonialverwaltung zurückreicht) von intimer Intensität. (Ilija Trojanow)

Der Roman ist einer von vier Titeln im Programm des Anderen Literaturklubs 2017.

Für “Der Ort, an dem die Reise endet” erhielt Owuor den Jomo Kenyatta Prize for Literature.

Informationen zum Buch und zur Autorin sowie Pressestimmen auf den Seiten des Verlags.


Faribā Vafī [Iran]: »Tarlan«

Roman. Aus dem Farsi von Jutta Himmelreich (Sujet). Weltempfänger Nr. 30/Frühjahr 2016

Die Jury: Im Iran hat der Schah abgedankt, das Land ist im Umbruch. auch die junge Tarlan sucht ihren Weg in den Umwälzungen. Eher aus Frust denn aus Lust wird sie Polizistin. Was wie eine Flucht nach vorne anmutet, entpuppt sich zwischen den Zeilen als eine hintergründige Befragung der Revolutionsgeneration und ihrer Rollenbilder aus Sicht der Frau. Ein leiser Roman, der es in sich hat. (Claudia Kramatschek)

Die Übersetzung aus dem Farsi wurde von Litprom e.V. mit Mitteln des Auswärtigen Amts unterstützt.

Informationen zum Buch und zur Autorin auf den Seiten des Verlags.


Jeong Yu-jeong [Korea]: »Sieben Jahre Nacht«

Thriller. Aus dem Koreanischen von Kyong-Hae Flügel (Unionsverlag). Weltempfänger Nr. 30/Frühjahr 2016

Die Jury: Ein fiktives Dorf an einem Stausee wird überflutet, Hunderte Menschen sterben. Der Verursacher wird zum „Stauseemonster“, sein Sohn muss mit der Schande leben. Die Autorin entfaltet nach und nach eine hochspannende, raffiniert angelegte Kriminalgeschichte um das Warum. Dabei geht es auch um die innere Hölle eines Menschen, der einen tödlichen Fehler begeht und nicht mehr aus dem Alptraum erwacht. (Anita Djafari)

Informationen zum Buch und zur Autorin sowie Pressestimmen auf den Seiten des Verlags.

Eine Rezension des Buches in den LiteraturNachrichten Nr.124 (Frühjahr 2016)